Aus gegebenem Anlass:
Jemand verschickt Mails in meinem Namen, um Kontakte zu knüpfen. Solltest du eine solche Mail bekommen, antworte bitte nicht. Ich würde mich aber freuen, wenn du mir Bescheid geben könntest, damit ich etwas dagegen unternehmen kann.
Meine Gedanken zu diesem Thema findest du direkt im Anschluss.

Jetzt folgt ein Artikel der etwas anderen Art von mir. Viel privater und vielleicht auch persönlicher. Das wird ein bisschen länger, ich entschuldige mich jetzt schon. Aber wenn du wissen möchtest, wie es gerade IN mir aussieht, lade ich dich herzlich ein, weiterzulesen. Ich muss das hier einfach loswerden und meine Gedanken teilen.
Am vergangenen Samstag schrieben mich aus heiterem Himmel plötzlich drei Autor:innen über meine Homepage an, die mich fragten, ob ich wirklich diese seltsame Nachricht an sie verfasst habe. Bei der ersten Mail dachte ich mir noch nichts. Bei der zweiten kam es mir schon komisch vor, die dritte hat mich dann alarmiert. Mittlerweile sind es fast dreißig – von denen ich weiß. Wie viele es wirklich waren? Ich kann nur raten.
Offenbar hat jemand in meinem Namen und mit einer E-Mail-Adresse, die exakt nach mir aussieht, aber nicht von mir ist, etliche Autor:innen angeschrieben. Während der erste Absatz der Mail noch nach KI klingt, wurde es im zweiten Absatz persönlicher. Da war von der Nordseewellen-Reihe die Rede, von Manuskriptabgabe und Schwierigkeiten mit Verlagen. Kurz und gut, es war mein beruflicher Lebenslauf in wenigen Worten zusammengefasst. Gruselig. Aber noch erschreckender, dass die Worte exakt so von mir hätten sein können.
Ich war wie vor den Kopf gestoßen, als ich die Dinge von meinem mir fremden Ich gelesen habe. Um das Ganze authentisch zu gestalten, hat der/die Absender/in Bilder von hier, von meiner Homepage (!) und von Facebook geklaut und in der E-Mail-Signatur verwendet. Darunter mein Autorenfoto, das meine Tochter von mir gemacht hat.
Plötzlich war mir meine eigene Verletzlichkeit bewusst. Natürlich kann man jetzt sagen, dass man sich in die Öffentlichkeit begibt, wenn man als Künstler:in ein eigenes Werk der breiten Masse zugänglich macht. Dafür habe ich mich vor vielen Jahren bewusst entschieden.
Nun mache ich den Job ja nicht erst seit gestern. Bisher hat er mir Freude bereitet. Allerdings lässt diese Begeisterung in den letzten 2 Jahren nach, weil die Branche immer schwieriger und ja, teilweise auch unschöner wird. Allein wenn ich sehe, wie unverfroren einige „Kolleginnen“ Namen von Hauptpersonen oder Örtlichkeiten aus Büchern, ganze Plots, Titel oder Cover kopieren, fällt mir nichts mehr ein. Da zerfleischen sich aber auch Blogger:innen und Leser:innen im Netz, als wäre es ein rechtsfreies Schlachtfeld, und wenn man als Autor:in ein neues Buch auf den Markt bringt, hat man innerhalb kürzester Zeit 1*-Sterne-Rezensionen, meist schon wenige Stunden nach der Veröffentlichung. Ein Schelm, der Böses dabei denkt …
Schlimmer aber noch: KI-Bücher sprießen im Moment wie Pilze aus dem Boden. Mir reichen meist ein Blick auf das Cover (wobei die mittlerweile besser werden) oder ein Blick ins Buch, um das zu erkennen. Auch die Autorenfotos auf Amazon sind bereits ein Fingerzeig: Junge KI-Frauen mit offenem Haar, manchmal mit einem kleidsamen Sommerhut, oft von hinten am Strand abgebildet, inmitten der Dünen, den Blick aufs Meer gerichtet. Was wie eine Postkartenidylle aussieht, ist KI-generiert und verursacht mir mittlerweile Brechreiz. Auch die Biografien ähneln sich alle. Wie viele dieser „Autorinnen“ haben da schon früh ihre Liebe zum Schreiben entdeckt und ihr eigenes Fernweh mit Wellenrauschen kombiniert. Das ist einfach lächerlich. Mit tiefer Liebe zur Küste werden Leser:innen ans Meer entführt, während die „Autorin“ , wenn sie nicht gerade an Sehnsuchtsmanuskripten arbeitet, am Strand sitzt und aufs Wasser hinausschaut 🤮 blablabla.
Allerdings komme ich vom Thema ab. Es geht ja noch immer um diese Mail, die in meinem Namen verschickt wurde. Ein Autor, den ich über diese Aktion kennengelernt habe (ja, das Ganze hatte nicht nur Schlechtes!), hat sich der Sache angenommen und ist zum Schein auf die Mail eingegangen. Das Gespräch wurde geschickt geführt, es wurde angebliche Interna preisgegeben, mein anderes Ich hat sich verletzlich und überfordert gegeben. Allerdings stand der Ausweg aus der Misere in Form einer Coachin (die natürlich sehr wählerisch und nur schlecht erreichbar ist) schon parat. Für schlappe 320 EUR macht sie eine Erstanalyse eines Manuskripts, anhand der sie dann entscheidet, ob der/die betreffende Autor:in gut genug ist, um weiter mit ihr arbeiten zu dürfen.
An der Stelle hat der Autor die Kommunikation völlig zurecht abgebrochen. Wir wissen alle, wie die Sache ausgeht. Nicht allerdings, was sie am Ende kostet.
Nun ist es so, dass ich ja weiß, dass nicht alle Autor:innen Erfolg haben, obwohl es sehr viele sicher verdient hätten. Das bringt mich zu einem weiteren Punkt in dieser Branche: Es gibt viele parasitäre Angebote, hinter denen Menschen stecken, die alle nur unser Bestes wollen. Ja, unser Geld. Da wollen so viele ein Stück vom Kuchen abhaben, dass ich mir manchmal vorkomme, wie der kubanische Kaffeebauer, der die meiste Arbeit mit dem Produkt stemmt, der am Ende aber am wenigsten davon hat. Gejammer auf hohem Niveau? Mag sein. Aber ich könnte mal eine Beispielrechnung aufmachen, was es kostet, ein Buch zu veröffentlichen …
Ich weiche schon wieder vom eigentlichen Thema ab.
Es gibt viele Autor:innen, die verzweifelt genug sind, auf dieses dubiose Angebot hereinzufallen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele davon auf diese Mail eingegangen sind und Geld verloren haben oder gerade in diesem Moment verlieren. Ich fühle mich mitschuldig, obwohl ich natürlich nichts dafürkann.
Damit kommen wir zu dem Punkt, der für mich im Moment am wichtigsten ist und der mich am meisten bewegt: All das ist in meinem Namen passiert. Jemand hat mich ausgewählt und die Mails dreist in meinem Namen geschrieben. Schlimmer noch, Bilder von mir genommen, um seine Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. Das ist ein emotionaler Faktor, der für mich gerade gar nicht greifbar ist, der mich aber ziemlich mitnimmt.
Ja, ich höre schon die, die jetzt sagen „Ja und? Solche Mails bekomme ich 10 Stück am Tag.“, „Ist mir auch schon passiert.“, „Nimm dich nicht so wichtig.“, „Stell dich nicht so an, ist doch eh bloß KI, das erkennt doch jeder.“ Ich habe diese Mails bisher auch gelöscht. Traurig darüber, dass es jeden Tag mehr werden.
Jetzt bin ich Betroffene. Das rückt die Sache (und da muss ich auch mich und meinen bisherigen Umgang mit dem Thema hinterfragen) für mich in ein völlig anderes Licht. KI hin oder her (ich habe die Mail schon am Samstagabend durch eine Software gejagt, die zu 99,9% festgestellt hat, dass der Text KI-generiert ist), da bleibt trotzdem jemand, der meinen Namen ausgewählt und den Prompt dazu geschrieben hat. Das war ein Mensch. Ein Autor? Eine Autorin? Ein/e Betrüger/in? Beides? Ich weiß es nicht.
Wer schreibt die Prompts für die KI-Bücher? Kolleg:innen? Oder einfach jemand, der schlaue Prompts formulieren kann?
Ich habe keine Ahnung, wohin all das führt. Ich weiß nur, dass ich mich damit nicht mehr wohlfühle. Dass sich der Text aus der Mail so sehr nach mir anhört, liegt wohl daran, dass jemand (eine KI?) meinen Sprachstil von meiner Homepage, meinen Social-Media-Posts und/oder meinen Büchern analysiert hat, um so zu klingen wie ich.
Ich gebe denen, die mich für naiv halten und jetzt kopfschüttelnd vor dem Rechner sitzen (wenn sie überhaupt bis hierhin gelesen haben), natürlich recht, dass man die Künstliche Intelligenz nicht mehr aus der Welt wegdiskutieren kann und dass sie zu unserem Alltag gehört. Aber, verdammt nochmal, ich möchte nicht Teil davon sein, zumindest nicht so einer. Und euch, die ihr da sitzt und jetzt nachsichtig über die gekränkte Autorin den Kopf schüttelt, wünsche ich, dass ihr nicht irgendwann diejenigen seid, deren Name benutzt wird.
Ich habe nur leider keine Möglichkeit, mich dagegen zu wehren.
Doch, eine habe ich: Ich war bei der Polizei und habe Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die wirklich ausnehmend nette Polizistin hat alles aufgenommen und an die Abteilung Cyberkriminalität weitergeleitet. Ausgang ungewiss.
Was übrig bleibt? Mein Name wurde benutzt. Ich fühle mich beschmutzt und frage mich mittlerweile schon, ob ich weiter so unbedarft und schutzlos in der gewohnten Weise im Netz agieren möchte, wie ich das bisher getan habe.
Zu einem Ergebnis werde ich wohl erst einmal nicht (vielleicht nie?) kommen. Ich wollte nur Gedanken teilen. Trotzdem finde ich es wichtig, dass wir darüber sprechen. Um aufmerksam zu machen. Um dir zu sagen, dass du nicht blind alles glauben darfst, was du im Netz siehst, per Mail oder WhatsApp zugeschickt bekommst. Aber auch, um dafür zu sensibilisieren, dass es nicht nur echte, sondern auch unechte Autor:innen gibt und dass sich ein zweiter Blick schon mal lohnt.
Ich danke dir, dass du bis hierhin gelesen und mir zugehört hast. Vielleicht habe ich dich ja ein bisschen nachdenklich gemacht.
13.05.2026
Finalist um den Kindle Storyteller Award!
Ganz herzlichen Dank, ihr lieben Leserinnen und Leser, für eure Unterstützung!
Ich bin unglaublich dankbar für den Weg, den dieser Roman genommen hat, und stolz darauf, dass Henny mit ihrem Team im Inselhotel Deichblick im Finale steht.
Überwältigt …
Auch dem vorläufig letzten Teil der Inselträume-auf-Amrum-Reihe gelingt gleich auf Anhieb der Sprung auf Platz 1 der BILD-Bestsellerliste!
Ich bin immer noch ganz geflasht, dass euch, liebe Leser:innen, die Geschichten rund um das Inselhotel "Deichblick" so gut gefallen. Ganz herzlichen Dank!